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2019
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Novalis Orient: eine geistesgeschichtliche und philologische Untersuchung |
Angesichts der Thematisierung der beiden arabischen Figuren, Zulima und Ginnistan in Heinrich von Ofterdingen (HvO, 1802), die Heinrich und Eros den Weg zum goldenen Zeitalter zeigen, wird in der vorliegenden Arbeit der Frage nachgegangen, welche Rolle der islamische Orient in Novalis’ Schaffen spielt, insbesondere bezüglich seines utopischen Projekts, eine von Dogmen befreite, poetische und philosophische (Natur-)Religion zu gründen. Die Werke Novalis’ – wie HvO, Christenheit oder Europa (1826), die Vorrede zu Glauben und Liebe (1798), oder sein Märchen Hyazinth und Rosenblüte (1798-99), die in dieser Arbeit analysiert werden – enthalten die Hoffnung auf ein kommendes, von Joachim von Fiores (1135-1202) Chiliasmus-Theorie inspiriertes goldenes Zeitalter. Auf ein kosmopolitisches Religionsverständnis basierend, sollte dieses nach dem Muster von G. E. Lessings (1729-81) Werken hergestellt werden, denn auch Lessing ließ sich vom Morgenland inspirieren. Im Hinblick auf das christliche und islamische Mittelalter lässt sich zudem feststellen, wie die vorliegende Arbeit zeigen möchte, dass die in HvO behandelten Friedensverhandlungen sich von historischen Mustern ableiten und einen imaginären Raum schaffen, um zeitgenössische Ost-West Beziehungen – wie z.B. zum Osmanischen Reich und dem europäischen Kolonialismus – zu veranschaulichen. Das Ziel dieser Untersuchung ist es, diese Beziehungen, wie auch Novalis’ Geheimsprache, durch die Aufdeckung verschiedener orientalischer Motive, Metaphern und der orientalischen Blumensprache näher zu definieren. Einen wesentlichen Bestandteil der vorliegenden Untersuchung bildet die Auseinandersetzung mit der Frage des Orientalismus, die seit Edward Saids Orientalism (1978) häufiger gestellt wird. So soll auch der Frage nachgegangen werden, ob Novalis’ interkulturelles und hybrides Schaffen eine Alternative zum Orientalismus bilden kann. |
McGill University |
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Dissertation |
Kanada |